Ein abgewürgter Streik

Man wundert sich wenig, daß die Mitgliederzahlen des DGB in den letzten 20 Jahren von etwa 10 Millionen auf 6 Millionen gefallen sind.
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Und auch Mitte der 90er Jahre waren die Gewerkschaften nicht gerade das gelbe vom Ei. Aber beim DGB kümmert man sich eher um das eigene Vorankommen im Gewerkschaftsapparat, denn um die Interessen der Mitglieder.

Die zunehmenden Entfernung der Gewerkschaft von ihrer Basis hat sich wohl noch nie so deutlich gezeigt, wie beim Verrat von Verdi an dem gut verlaufenden Poststreik im Sommer 2015. Man knallte den Streikenden einen Streikabbruch um die Ohren und wollte ihre Meinung nicht hören. Eine derartige Arroganz und Anmaßung haben die Streikenden noch nicht erlebt. Die Wut war nicht auf wenige beschränkt. Auch langjährige, treue Gewerkschaftsmitglieder hatten die Faxen dicke und erklärten auch öffentlich „verraten und verkauft“ worden zu sein. Dieses Stimmungsbild ist kein regionales. Im ganzen Land herrscht eine Mischung aus Enttäuschung und Wut.

Postlerinnen danken der Gewerkschaft

Deshalb entstand diese Betriebsgruppe. Wir wollen verhindern, daß den Beschäftigten einfach das Maul verboten wird und deshalb versuchen wir Kommunikationsstrukturen aufzubauen, die man nicht einfach abwürgen kann.

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4 Kommentare zu Ein abgewürgter Streik

  1. King Kurt sagt:

    In der ganzen Postgeschichte war das die größte und härteste Auseinandersetzung

    Interview vom 21.9.2015

    Zwei Kollegen, die seit dem ersten Streiktag vorm Tor standen, erzählen wie sie auf den Streik zurück blicken, was seither passiert ist und was nächste Schritte sein könnten.“

    Das Interview ist hier nachzulesen: http://www.organisieren-gewinnen.de/index.php?id=49

  2. Kuddel sagt:

    Dieser Streik wurde auch von Leuten aus anderen Branchen mit großem Interesse verfolgt. Ich bringe hier ein paar Ausschnitte aus einem Forum für Berufskraftfahrer. Man sieht, daß die Gewerkschaft sich kräftig ins Knie geschossen hat:

    MAXX: „Post kam alle zwei-drei Tage und es waren nur einmal Sachen dabei, die schon mehr als eine Woche auf der Reise waren.

    Eine Bekannte, welche bei DHL arbeitet, allerdings im Büro und mit dem operativen Geschäft nix am Hut hat, erzählte das auch sie aufgefordert wurden in den Briefverteilzentren und sogar evtl. beim Austragen zu helfen.

    Aber sie hat gesagt, erstens ist das ein anderes Unternehmen und zweitens und generell streikt sie eher mit, als das sie auch nur einen Finger für die Post rührt.

    Es soll aber ein paar beförderungsgeile Arschkriecher gegeben haben, welche sogar in der Freizeit in die Verteilzentren sind und auch ausgetragen haben, obwohl oder gerade weil von der Fraktion Schlipsträger. “

    Worti: „Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige ins Gesicht al derer die gestreikt haben. “

    trailerman: „Da werden bei Verdi noch die Fetzen fliegen. Nach meiner Ansicht gehört die gesamte Führungsspitze abgewählt. Ein Vorsitzender, der sich gegen den Streik einer anderen Gewerkschaft positioniert (war in Bezug auf GDL) ist kein Gewerkschafter. Das ist ein Koofmich der Gegenseite. “

    H4RDQOR3: „Verdi halt, was soll man auch anderes erwarten. Ich hoffe nur das Quotenfrau Nahles ihr Tarifeinheitsgesetz von Karlsruhe so tief in den Hals gerammt wird, dass die blöde Kuh dran erstickt. “

    Andy: „Bei der Post wird seit der Privatiserung permanent an der Gehaltsschraube gedreht.Aus dem Grund kann man auch Behaupten das früher alles besser war.“

    TheLivingFool: „Das was die Gewerkschaften in den Jahren bis Ende der 70er/Anfang der 80er aufgebaut haben wurde von den dann folgenden Funktionären wunderbar zunichte gemacht… Wenn man sich das Ganze ansieht ist doch beim DGB kaum noch etwas von dem übrig was die Gewerkschaften mal ausgemacht hat – Kampfeswille, der Wille etwas positives für die AN zu erreichen… Jetzt ist doch in den Führungsebenen nichts weiter gefragt als ein guter Kontakt zu Politik und Wirtschaft um die eigenen Pfründe ins Trockene zu bringen… Großartige Ankündigungen mit auf dem Fuße folgendem Schwanzeinziehen und rumheulen wenn eine Gewerkschaft, die nicht dem DGB angehört es so macht, wie es Gewerkschaften machen in deren Führung man Charakter besitzt und Arsch in der Hose hat statt die Scheine aus der Wirtschaft… “

    Ruhezeitüberzieher: „… und nicht nur bei der Post

    Gucken wir mal unsere Jobs an … LKW oder Bus … überall gleichen sich die Bilder.
    Kaum hat sich ein „Anbieter“ gefestigt und zahlt halbwegs vertretbare Löhne – kommt ein anderer und macht
    es für weniger. Wer schafft eigentlich die gesetzlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen oder Bedingungen
    dafür, dass soziale Standards immer mehr abgebaut werden …

    Genau jene die unser Know-how verscherbeln, Produktionen auslagern, Personal outsourcen.
    Eiskalt, nüchtern und Herzlos wird die Wertschöpfungskette zerkloppt – alles unter dem Argument der Wettbewerbsfähigkeit.

    … und die größten Streitkulturen auf politischer Ebene (SPD und CDU) koalieren – oder besser „kungeln“
    Merkel und Gabriel sitzen im Flieger nach China … mit dabei deutsche Manager.
    Merkel und Gabriel füttern die Bad Bank (oder mehrere) und die Gläubiger bedienen sich der „lukrativen Länder“
    Die gesamte Liquidation wird verkauft oder dem Gläubiger übergeben und nicht abbezahlte Schulden für nichtig erklärt.

    Der Mensch verliert alles … aber wen interessiert das schon

    Diese „Entwicklung“ ist schleichend, weit weg … aber eigentlich schon im Land.
    Immer mehr spüren das an der eigenen Existenz.

    Widerstand … Fehlanzeige; Organisierter Protest … zu wenig; Bauch … noch zu voll

    Es geht schon lang nicht mehr um Deutschland … und inzwischen werden schon Millionen investiert um
    Arbeitnehmerinteressen zu zerstören

    – kein Verhandlungswille bei Arbeitgebern
    – Millionen Kosten werden in Kauf genommen – Hauptsache kein Ergebnis
    – Arbeitslose als Streikbrecher (Manager verstoßen bewußt gegen Gesetze)
    – u.s.w.

    Der Poststreik hat ver.di (geschätzt) am Tag 1,2 Millionen gekostet, da kommen locker 30 Millionen zusammen
    30 Millionen für Beschäftigte – auch Nichtmitglieder – für die ver.di angeblich nichts tut.

    Man hängt sich an dem Ergebnis auf … zu wenig

    Ja – iss so, und es wird noch schlechtere Ergebnisse geben in Zukunft. Die Zeiten von Heinz Kluncker sind vorbei.

    Die Forderungen sind überzogen, nicht maßvoll … kann keiner bezahlen.
    Wir wollen nur billig – geiz ist geil … ist inzwischen auch in der Arbeitswelt angekommen.
    Was ein Manager für ein Jahresgehalt hat brauch ich ja wohl nicht erzählen …

    Mir war von Anfang an klar dass die Forderungen der Organisierten Postbeschäftigten nicht zu 100 % durchsetzbar waren.
    Trotzdem Hut ab vor der gezeigten Haltung zur Situation.

    … und wir – LKW und Busfahrer/innen – sind wir je in der Lage nur annähernd sowas zu stemmen?

    Wenn ich in meine Kollegenrunde gucke … ich bin da eine Ausnahme mit 45 Jahren Gewerkschaftsmitgliedschaft
    und auch zz der einzige überhaupt mit Mitgliedsausweis … aber das die Gewerkschaft nix für uns tut höre ich hier auch

    Ja tut mir Leid – aber allein schaffe ich das nicht! “

    beeblebrox: „- Wenn man bedenkt, dass die Post in der gleichen gewerkschaftlichen Untergruppierung ist wie das Transportwesen und
    – wenn man weiß, dass die sich dort wesentlich mehr für Postler einsetzen als für unsereiner, weil bei den Postlern der Organisationsgrad wesentlich höher ist und
    – wenn man dann sieht, wie wenig sie selbst für ihre Klientel erreichen konnten (oder wollten), obwohl dort eine große Streikbereitschaft vorhanden war (und ist)
    – dann kann man sich ausrechnen, wie wenig ich als LKW-Fahrer von „meiner“ Gewerkschaft zu erwarten habe.
    Es bleibt dabei: Wer solche Freunde hat, braucht seine Feinde nicht zu fürchten.

    Ich habe ihnen noch nicht den Gefallen getan, auszutreten, da es leider keine Alternative gibt. Ich bekam von Verdi jetzt eine Urkunde wegen 25-jähriger Mitgliedschaft plus eine Einladung zu einem Termin im Oktober, wo ich von irgendeinem Obergewerkschaftler eine Nadel überreicht kriege. Das ist witzig, denn ich bin 55 und damals mit 19 in die Gewerkschaft eingetreten, nicht mal rechnen können sie.“

    cartrucker: „Verdi hat sich jedenfalls einen gerade einen medialen Super GAU geleistet. Welcher Arbeitgeber im Transportbereich nimmt denn nun den Sekretär noch für voll. Wenn er auf einer Betriebsversammlung was von einem Streik faselt für mehr Geld?

    Den hier im westlichen Ruhrgebiet konnte man noch nie für voll nehmen. Seit ich den morgens im dunkeln mit dem Nikolauskostüm fast umgenietet habe, weil mir vor das Auto gesprungen ist um mir die Weihnachtsgrüsse von Verdi zu überbringen ist der bei mir eh unten durch.

    Eine starke Gewerkschaft wie zum Beispiel in NL oder Frankreich würde sicherlich auch in Deutschland viele Mitglieder haben. Das würde ich sofort unterstützen. Aber diese Sprüchekloppper wollen doch nur dein bestes.. 1%.

    Nach 4 Wochen Poststreik ist die Streikkasse wohl kurz vor der Insolvenz… also brauchen die Kraftfahrer keine Unterstützung von dem Verein mehr erwarten…. Leider. “

    beeblebrox: „Den Eindruck habe ich nicht. In den Presseberichten wird von „Kompromiss“ gesprochen. Kaum jemand wagt zu benennen, wie sehr die Gewerkschaft ihren eigenen Mitgliedern in den Rücken gefallen ist.
    Ich glaube, manche Gewerkschaftsfunktionäre sind so stolz darauf, bei Tarifverhandlungen irgendwelchen Großkopfeten mal die Hand zu schütteln, dass sie dafür gerne und bereitwillig übersehen, dass sie an selbiger bei der Gelegenheit gleich über den Tisch gezogen werden. Die Presse kriegt das – wie gesagt – sowieso kaum mit. In ihrem vorauseilenden Gehorsam werden sie auch die kleinste Lohnerhöhung als „Kompromiss“ feiern und bei Streikbereitschaft egal in welcher Branche weiterhin darüber jammern, dass ja nun die Verbraucher die Opfer seien und die Gewerkschaft daher lieber mal die Streiks beenden soll. “

    Möbel-Fahrer: „Ich war, wie Folkher auch, in zwei Gewerkschaften. Zuerst war ich in der Deutschen Postgewerkschaft und anschließend nach der Fusion mit der ÖTV in Ver.di. Was hat es mir gebracht? Im Endeffekt gar nichts. Als mein ältester Sohn unterwegs war, sollte ich von innerhalb der DHL Niederlassung Bielefeld von Bielefeld als Fahrer nach Kamen in die Zustellung versetzt werden. Das hätte täglich einen Arbeitsweg hin und zurück von 250 Km bedeutet. Ich habe den Betriebsrat damals gesagt, dass das für mich unzumutbar wäre. Das ist bei denen ungehört auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite raus gegangen. Schließlich mußte ich mit der Personalstelle noch eine Abfindung aushandeln. Nach meinen Ausscheiden bei der Post habe ich sofort meinen Austritt aus Ver.di erklärt mit der Begründung, dass sie Handlanger der Logistikkonzerne seien. “

    Eierfeile: „In den Presseberichten sieht es anders aus, als in den Sozialen Medien. Dort wird offen von Verrat gesprochen, auch bei Leuten mit langjähriger Gewerkschaftsmitgliedschaft. Solch ein Klima habe ich noch nie erlebt.“

    Möbel-Fahrer: „Ich habe noch zu vielen ehemaligen Kollegen, die noch aktiv bei der Post arbeiten, Kontakt. Und jeder sagt dasselbe, nämlich Verarsche hoch drei. “

    Möbel-Fahrer: „Dann hoffen wir mal, dass beim nächsten Gewerkschaftstag die Verantwortlichen abgewählt werden. Bsirske ist für mich der vordringliche Abwahl-Kandidat. Und die Oberzampanos der Abteilungen auch. Alle. Und dann sehen wir weiter. Weil in den Bezirken gibt es genügend Leute, die den Laden wieder auf Linie bringen könnten. Jetzt zahle ich seit 39 Jahren meine Beiträge für die Truppe und jetzt will ich endlich, dass da aufgeräumt wird. Vor allem in der Abteilung 8 – Medien. “

    Ich habe all das zitiert, um zu zeigen, daß das Wellen quer durch die Gesellschaft geschlagen hat. Und vergessen ist es noch längst nicht!

  3. AlterWolf sagt:

    Ich habe die Logik bis jetzt auch nicht verstehen können. Da feiern die Verdi-Bonzen sich noch für ihren *Erfolg* und jetzt arbeiten wir weiterhin 38 1/2 Stunden pro Woche.
    Dabei wollte die Streikleitung doch eine spürbare Arbeitszeitverkürzung für die Mitarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Die Stimmung unter den Kollegen war kämpferisch auch wenn es immer welche gibt , die in Nibelungentreue zur Post /DHL standen und trotzdem zur Arbeit trabten. Die Mehrheit hat den Streik unterstützt.
    Es wurde eine Chance vertan ein kräftiges Ausrufezeichen zu setzen daß sich Tarifbruch nicht lohnt. Warum das mit einem Mal abgeblasen wurde versteht hier an der Basis kein Mensch!

  4. Die Auslagerung unter dem Namen DHL Delivery gehörte zu den Hauptgründen für den Arbeitskampf. Genau das wurde nicht aufgehalten, sondern der Kampf dagegen wurde gestoppt. Nun es es amtlich: 9000 Menschen sind gezwungen die gleiche Arbeit zu schlechteren Konditionen zu tun:

    POST BESCHÄFTIGT 9000 ZUSTELLER IN NEUEN PAKETGESLLSCHAFTEN
    Die neuen regionalen Paketgesellschaften der Post haben ein Jahr nach ihrem Start einen festen Platz auf dem hart umkämpften deutschen Paketmarkt erobert. In den 49 Firmen der DHL Delivery GmbH arbeiteten inzwischen rund 9000 Menschen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Dazu gehörten etwa 3800 ehemals befristet Beschäftigte der Deutschen Post, die übrigen auf dem Arbeitsmarkt rekrutiert und neu eingestellt worden seien.

    Anders als die Beschäftigten des Post-Konzerns werden die Mitarbeiter der Paketgesellschaften nach den jeweils gültigen regionalen und zum Teil deutlich niedrigeren Tarifen des Speditions- und Logistikgewerbes bezahlt. Die neuen DHL-Zustellfirmen sind den 49 Niederlassungen der Post zugeordnet.

    Für die Gewerkschaft Verdi war die schlechtere Bezahlung im vergangenen Jahr der Hauptgrund für wochenlange Streiks.

    http://www.t-online.de/wirtschaft/unternehmen/id_76970002/wirtschaft-post-beschaeftigt-9000-zusteller-in-neuen-paketgesellschaften.html

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