Paketzustellung

Arbeit in der Paketzustellung:

Verheddert im System der organisierten Unverantwortlichkeit

Der Höhepunkt des Jahres steht bevor, also für die Paketdienste in diesem Land: das Weihnachtsgeschäft.

Auch wenn das Business das ganze Jahr über immer lauter und damit besser brummt, bleibt die Zeit vor Weihnachten der absolute Aktivitätsgipfel, vor allem für diejenigen, die das ganze Zeug zu den Kunden bringen müssen: die Paketzusteller.
Und deren Arbeitsbedingungen waren in der Vergangenheit schon regelmäßig im Fokus einer kritischen Berichterstattung in den Medien, auch mit angetrieben durch die Under cover-Recherchen des umtriebigen Günter Wallraff vor einiger Zeit, der sich selbst als Paketzusteller verdingt und eindrucksvolle Erfahrungen gesammelt hat. Berichte darüber findet man auch in dem von ihm herausgegebenen Band Die Lastenträger. Arbeit im freien Fall – flexibel schuften ohne Perspektive (zu DHL, GLS & Co. S. 167 ff.). Aber trotz der medialen Skandalisierung ist die Lage offensichtlich nicht besser geworden, teilweise sogar ganz im Gegenteil. Zunehmend werden beispielsweise osteuropäische Wanderarbeiter eingesetzt, um noch billiger arbeiten zu lassen, mit mehr als skandalösen Bedingungen, denen die Menschen aus Rumänien und Bulgarien ausgesetzt sind. Zugleich muss man beobachten, dass auch viele der Subunternehmer, an denen das gesamte Geschäftsmodell der Paketdienste hängt, in den existenziellen Abgrund gestoßen werden und ihren Ausflug in die „Selbständigkeit“, die sich in der Realität als perfide Form der Scheinselbständigkeit entpuppt, mit einer Schuldenfalle bezahlen, für die es dann nur noch den Exit Privatinsolvenz gibt.
Vor diesem Hintergrund war es Zeit, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Die Gewerkschaft ver.di Rheinland-Pfalz/Saarland (in Kooperation mit der GUV-Fakulta,  dem Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen, der TBS gGmbH Rheinland-Pfalz sowie der Regionalstelle für Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorge Mainz) hat deshalb am 31.10.2015 in Mainz ein Tribunal Arbeit in der Paketzustellung veranstaltet, bei dem im Rahmen einer fingierten Gerichtsverhandlung die Branche angeklagt und die Vorwürfe vor einem „Gericht“ verhandelt wurden. Neben vielen Zeugen, vor allem Betroffenen aus der Branche, wurden als Sachverständige für die Befragung des „Gerichts“ Günter Wallraff und ich geladen.
Eine gute Zusammenfassung der Veranstaltung findet sich in dem Artikel „Arbeit in der Paketzustellung“: Betroffene berichten in Mainz, wie sie in einer boomenden Branche leiden – Unter ihnen: Günter Wallraff von Carina Schmidt. Die Zeugen, die „Gerichtspräsidentin“ und Moderatorin Margarete Ruschmann im voll besetzen Unterhaus befragte, boten ein erschütterndes Bild durch ihre Aussagen. Es herrscht ein unglaublicher Druck auf die Subunternehmer, was ein ehemaliger DPD-Niederlassungsleiter bestätigte. „Die Auftraggeber geben den Subunternehmern alles vor, also die Zeiten, die Anzahl der Pakete und den Betrag“, bestätigte Giovanni Berardi, Geschäftsführer vom Interessenverband selbstständiger Subunternehmer im Transportgewerbe (ISSiT).
Die Subunternehmen geben diesen Druck oft weiter an ihre Beschäftigte.

»Wie Gewerkschaftsekretärin Tanja Lauer informierte, würden die Subunternehmer überwiegend Geringfügigbeschäftigte anstellen: „Sie werden nicht nach Tarif bezahlt, sodass ihr Lohn knapp unter dem Mindestlohn liegt. Viele werden auch in eine Scheinselbstständigkeit gedrängt.“ Die Beschäftigten würden zu einem großen Teil aus Osteuropa stammen, die unter falschen Versprechungen über Lohn und Arbeitszeit nach Deutschland gelockt werden.«

Und da sind wir schon angekommen bei einem Teil des Tribunals, wo selbst diejenigen, die sich professionell mit den Arbeitsbedingungen in unserem Land beschäftigen (müssen), mehr als „beeindruckt“ waren – eine Zeugenaussage von zwei rumänischen Paketzustellern, die geschildert haben, wie ihre Arbeits- und Lebensbedingungen hier bei uns in Deutschland aussehen und die auch Opfer geworden sind der von Tanja Lauer beschriebenen falschen Versprechungen, die man ihnen in Rumänien gemacht haben. Dazu Carina Schmidt in ihrem Artikel:

»Zwei Männer aus Rumänien … waren auf eine solche Masche reingefallen. „Unser Arbeitsalltag besteht aus 15 Stunden-Schichten ohne Pausen und einer Sechstagewoche und das bei einem Gehalt von 500 bis 700 Euro“, berichteten sie. Die Unterkunft werde vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, wobei das Zimmer pro Person 250 Euro koste. Wie sie von dem übrigen Geld überhaupt leben könnten? „Von meinen Ersparnissen“, schilderte der Ältere. „Meine Eltern unterstützen mich“, sagte der Jüngere. Dabei sei das eigentlich mal umgekehrt gedacht gewesen.«

Hier noch eine Ergänzung von meiner Seite zu den Aussagen der beiden Rumänen: Ihnen wurde in Rumänien von – man muss sie so nennen – Menschenhändlern „Versprechungen“ gemacht, die so aussahen: Eine Tätigkeit in der Paketzustellung in Deutschland, von 4 Uhr morgens bis maximal 17 Uhr an fünf Tagen in der Woche und netto 1.400 Euro. Davon ist nicht viel übrig geblieben. Zur Unterkunft: Zur Zeit sind mehr als 20 Rumänen bei dem Subunternehmer beschäftigt, der sie in einer Pension untergebracht hat auf einem Dorf außerhalb der Stadt, die Pension gehört offensichtlich einem Freund des Unternehmers, der daran kräftig verdient. Denn sie müssen 250 Euro pro Monat und Person Miete zahlen, obgleich sie oft zu zweit oder dritt auf einem Einzelzimmer sind. „Wie in einer Höhle“ seien sie untergebracht, so einer der beiden Zeugen. Sie haben dort auch kein Telefon, kein Internet – offensichtlich werden sie abgeschottet und isoliert. Essen bekommen sie nicht gestellt, sie müssen versuchen, irgendwo in der nächst größeren Ortschaft hin und wieder einzukaufen und sie haben eine Küche für alle Bewohner der Pension.
Hinzu kommt: Selbst der karge Lohn für die Sklavenarbeit, die sie machen auf dem deutschen Paketmarkt, wird ihnen oft vorenthalten. 20 andere Rumänen sind schon wieder zurück in ihrer Heimat, ohne dass sie den ihnen zustehenden Lohn vom Arbeitgeber erhalten haben. Wir reden hier über ganz üblen Lohnklau, den wir leider auch in anderen Bereichen immer wieder feststellen müssen, wenn es um osteuropäische Wanderarbeiter geht: in der Fleischindustrie und vor allem auf dem Bau, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Natürlich fragen sich viele, warum die das trotzdem machen, warum schmeißen sie das nicht hin? Auch hier muss man wieder eintauchen in die Realität des Manchester-Kapitalismus auf deutschem Boden im Jahr 2015: Wenn sie von sich aus kündigen würden, dann gibt es so genannte „Vertragsstrafen“ für die Nicht-Erfüllung der vereinbarten Leistung.

Das alles ist schon unglaublich skandalös. Aber es gibt einen zweiten Skandal hinter diesem Skandal. Und in der Addition dessen, was von Gewerkschaftsseite dazu berichtet wurde, muss man von einem echten „Systemversagen“ des Staates sprechen:
Der Gewerkschaftssekretär Sigurd Holler sagte vor dem Tribunal aus, dass er in einer vergleichbaren Angelegenheit, also der Beschäftigung von Rumänen bei einen Subunternehmer, der für DPD fährt und der mittlerweile andere Subunternehmer verdrängt, weil er billiger ist, Politiker, Verbände und vor allem staatliche Stellen informiert hat über die skandalösen Arbeit- und Lebensbedingungen der Wanderarbeiter. Das bisherige Ergebnis: Von der Gewerbeaufsicht bekam er die Antwort, man könne derzeit keine Außenprüfungen mehr machen, weil der Landesrechnungshof ausgeführt hat, dort können weitere Stellen abgebaut werden, so dass man sparen müsse. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) erklärte sich nur für den Verkehr (auf Autobahnen) zuständig. Vom Zoll habe es überhaupt kein Lebenszeichen, das Arbeitsministerium in Rheinland-Pfalz zeigte sich betroffen, hat auch nachgefragt, seitdem aber hat sich noch nichts getan. Und die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass sie nur tätig werden könne, wenn ein Betroffener individuell Klage erhebe und am besten die Beweise gegen den Arbeitgeber gleich mitbringen würde. Auch GLS und DPD wurden informiert, von GLS gab es wie immer keine Reaktion und vom DPD die Aussage, man „prüfe“ das.
Was wir hier sehen ist das Ergebnis eines fatalen Zusammenspiels individueller Nicht-Zuständigkeiten, das sich im Kollektiv zu einem großen Systemversagen des Staates potenziert. Das wissen auch die Täter in der Branche und deshalb muss man von einer Mittäterschaft auf den Ebenen der Auftraggeber und der der staatlichen Kontrollbehörden sprechen.

Ich selbst habe in meiner „Aussage“ beim Tribunal versucht, das, was in dieser Branche passiert, systematisch einzubetten. Denn natürlich muss man die Frage stellen und zu beantworten versuchen, ob das nicht alles einige wenige „bedauerliche Einzelfälle“ sind oder ob dahinter ein System steckt, Strukturen erkennbar sind. Generell an dieser Stelle der Hinweis auf die Beiträge, die zum Thema Paketdienste und was da hinter der Fassade passiert, auf dieser Seite schon veröffentlicht worden sind.

„Das System lässt sich als eine organisierte Unverantwortlichkeit beschreiben. Denn durch die Subunternehmen können die Auftraggeber Druck ausüben und gleichzeitig ihre Hände in Unschuld waschen“, erklärte er. Branchenführer sei die Deutsche Post DHL (mit Delivery). Hinzu kämen aber noch UPS, GLS, DPD und Hermes, so Carina Schmidt in ihrem Artikel.

Das ist die eine Dimension. Wir sind konfrontiert mit einer pyramidalen Organisationsstruktur der Branche, wo die großen Konzerne an der Spitzen stehen und sich zahlreicher Subunternehmer bedienen, die wiederum den Druck weitergeben (müssen) an die bei ihnen Beschäftigten. Die obere Ebene kann im wahrsten Sinne des Wortes ihre Hände immer in Unschuld waschen und darauf verweisen, man habe sich doch von den Subunternehmen unterschreiben lassen, dass die sich an Recht und Gesetz halten. Die Subunternehmen selbst versuchen, auf dem Weg der (Selbst-)Ausbeutung den Kostendruck irgendwie zu bewältigen. Diese Konstruktionsprinzipien führen im Ergebnis dazu, dass am Ende keiner der Akteure der vorgelagerten Stufen noch zuständig erscheint, das Risiko und die Verantwortung wird einfach nach ganz unten, letztendlich bis zum einzelnen Fahrer runter gedrückt. Die andere Dimension, die wir zur Kenntnis nehmen müssen, ist die Rutschbahn nach unten, auf der sich die ganze Branche befindet. Wir haben (noch) eine „Mehr-Klassen-Gesellschaft“ innerhalb der Branche. An der Spitze stehen die Paketzusteller der Deutschen Post DHL, ausgestattet mit Arbeitsverträgen aus der „alten“ Tarifvertragswelt der Post, die aber leider mittlerweile als Auslaufmodelle bezeichnet werden müssen, denn die „neue“ Welt ist die der Billigtöchter der Deutschen Post DHL, also die Delivery-GmbHs, von denen es mittlerweile 49 gibt (übrigens nur in 7 gibt es überhaupt einen Betriebsrat und aufgrund der Zersplitterung in 49 rechtlich selbständige GmbHs kann es auch keinen Gesamtbetriebsrat geben – neben den deutlichen Gehaltseinbußen im Vergleich zur DHL „alt“ sind die Beschäftigten also auch mit einer deutlichen Schwächung der betrieblichen Mitbestimmung konfrontiert). Die Subunternehmen stehen ganz unten, am Ende der Nahrungskette.

Übrigens – das, was wir hier studieren müssen am Beispiel der Paketdienste, ist ja keine Singularität dieser Branche, sondern bettet sich leider ein in eine branchenübergreifende Entwicklungslinie: Das, was die Deutsche Post DHL Group mit den Delivery-Gesellschaften macht, erleben wir derzeit bei der Lufthansa mit dem Eurowings-Konzept, also dem Ausbau der Billigflieger-Schiene im Konzern. Wir erleben das seit der Aufhebung der Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags im Jahr 2000 im Einzelhandel in Form von Tarifflucht der Arbeitgeber und Lohndumping bei den Beschäftigten. Oder man denke an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), wo es früher kommunale Verkehrsunternehmen gab und mittlerweile zahlreiche Strecken privatisiert wurden und von privaten Busunternehmen betrieben werden (zu häufig deutlich schlechteren Konditionen für die Beschäftigten).

Aber abschließend wieder zurück zu den Beschäftigten in den Paketdiensten. Sie bewegen sich auch deshalb in einer Boom-Branche, weil es eine sich entsprechend entwickelnde Nachfrage gibt. Insofern darf man die Kunden, also wir alle, nicht aus der Betrachtung und letztendlich Mitverantwortung entlassen. Ein wesentlicher Antreiber des Booms der Paketdienste ist die „Amazonisierung“ unserer Gesellschaft. Wenn man eine holzschnittartige Zusammenfassung bestimmter Trends auf der Kundenseite machen muss, dann könnte eine solche Gleichung rauskommen:

Online-Bestell-Boom + Billigmentalität und dann auch noch + tagsüber immer öfter keiner zu Hause, wohin aber bestellt wird = logistische Probleme der Paketzustellunternehmen und vor allem = Probleme für die Paketzusteller

Während die Paketzustellunternehmen versuchen, zum einen bei den Kunden oder einem Teil von ihnen, vor allem im Bereich der Städte, den „Do-it-yourself“-Trend zu verstärken (z.B. Paketboxen), sind die Auswirkungen der Entwicklung auf Seiten der Zusteller, also bei denjenigen, die die Arbeit machen, doppelt problematisch: Zum einen mehr Pakete pro Zusteller, zum anderen immer schwerere Pakete, denn anders als früher wird mittlerweile fast alles per Paketzustellung bestellt und versendet.

Es wird dringend Zeit, hier Ordnung zu schaffen, vorrangig im Interesse der Beschäftigten, aber auch vieler Subunternehmer, die als faktisch Scheinselbständige nur kleine Bausteine im großen Spiel der Konzerne sind. Dazu gehört neben Kontrollen und der Verfolgung der Missstände in der Branche eine Debatte über die Tarifverträge bis hin zur Allgemeinverbindlichkeit.

Aber auch die Auftraggeber können und müssen in die Verantwortung genommen werden bzw. sie können, das zeigt das folgende Beispiel, selbst aktiv Verantwortung übernehmen:

Den Beschäftigten der Stadt Kopenhagen ist es ab sofort untersagt, für Dienstreisen den Billigflieger Ryanair zu benutzen. Die Begründung: Das Lohndumping beim Konzern sei eine „Schweinerei“.
Es geht hier nicht um irgendeine kleine Kommune, sondern: Mit 45.000 Beschäftigten ist die Stadt Kopenhagen der größte Arbeitgeber des Landes. Wie begründet die Stadt diesen Schritt? Kopenhagen stelle gegenüber allen seinen Lieferanten die Bedingung, dass diese ihren Angestellten „anständige Lohn- und Arbeitsbedingungen garantieren“. Ansonsten würden diese bei Ausschreibungen und Lieferverträgen nicht berücksichtigt, erklärte der sozialdemokratische Oberbürgermeister der dänischen Hauptstadt, Frank Jensen. Selbst wenn der Billigflieger Ryanair das preisgünstigste Angebot unterbreiten solle, disqualifiziere er sich selbst, solange er sich bei seinen Anstellungsverhältnissen nicht an dänische Arbeitsmarktvorschriften halte – zumindest für von Dänemark ausgehende Flüge.
Acht weitere dänische Kommunen haben einen ähnlichen Schritt wie Kopenhagen angekündigt oder bereits umgesetzt.

Wie ich das finde? Gut so! Man muss sein eigenes Arbeitsmarktmodell nicht mit Füßen treten lassen

 

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7 Kommentare zu Paketzustellung

  1. Postler sagt:

    Was für ein Schwachsinn wird hier denn verbreitet. Schlage vor, dass die hier Schreibenden ewig Gestrigen mal einen Ausflug in die freie Wirtschaft machen, das sozialistische Arbeiterparadies existiert ja nicht mehr.
    Alternativ könnte ja auch eine eigene Firma gegründet werden, in der die tollen Forderungen dann mal in die Praxis umgesetzt werden.
    Die Rolle der BR und Gewerkschaften ist ja toll. Ich kann gegen mein Unternehmen Klagen so oft ich will, die Firma muss ja immer bezahlen.

  2. King Kurt sagt:

    Oh Postler, was redest du da bloß!?!

    Warum sollten wir „mal einen Ausflug in die freie Wirtschaft machen“. Wozu reisen? Wir sind doch längst da!

    Ein Heer von Tagelöhnern
    Die Post beschäftigt Tausende Mitarbeiter mit zweifelhaftem Status. Jeden Tag unterschreiben sie einen neuen Arbeitsvertrag, teilweise Hunderte über viele Jahre hinweg. (…) Oft wurde er nur Stunden vor einem Einsatz telefonisch zum Dienst beordert. Tag- oder Nachtschicht, das spielte keine Rolle.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-10/deutsche-post-abrufkraefte-briefzentren/komplettansicht?print=true

    Sub-Sub-Sub-Unternehmer
    Deutsche Post beschäftigt Fahrer als Selbständige – zeitweise auch unseren Autor. Seine Erfahrung: unmögliche Tourenpläne, Zeitdruck und schlechte Bezahlung
    Es gibt aber auch Menschen, die nachts überregionale Fuhren zwischen großen Briefzentren bewältigen und zusätzlich tagsüber Briefkästen leeren. Einen geregelten Schlaf finden sie nicht, manche schlafen zwischendurch stundenweise im Fahrzeug. »Top-Arbeitgeber Deutsche Post AG« steht auf den Plakaten zu lesen, die das Post-Management für viele Millionen Euro an Briefzentren anbringen ließ. Absicherungen und Errungenschaften der Arbeiterbewegung wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Krankengeld oder Weihnachtsgeld sind für die modernen Tagelöhner allerdings nicht vorgesehen. Der tatsächliche Stundenlohn liegt weit unter dem offiziellen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Das gilt nach meinem Überblick auch für andere »Vertragspartner« der Post. Erklärtes Ziel der Deutschen Post AG ist es, die Gewinne bis 2020 von derzeit drei auf fünf Milliarden Euro zu steigern. Dazu sollen die Lohnkosten radikal gesenkt werden.
    http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28473.msg311043#msg311043

    Die Filialen sind längst privatisiert, ín einigen Zustellbezirken fahren Subunternehmer Pakete aus. Selbst die Leerung der Briefkästen hat die Deutsche Post ausgelagert: an selbstständige Kleinstunternehmer, denen man schon am klapprigen Kastenwagen ansieht, dass sie mit ihrer prekären Tätigkeit nur gerade so über die Runden kommen.
    Doch das ist noch nicht genug für die Deutsche Post AG, die gerade erst wieder blendende Unternehmenszahlen veröffentlicht hat. Die Aktionäre, darunter mit 21 Prozent der Anteile auch der deutsche Staat, verlangen noch mehr Rendite. Deshalb muss sich die Gehaltsspirale jetzt weiter nach unten drehen
    http://www.fr-online.de/aktuelle-kommentare/deutsche-post-das-vertrauen-ist-verspielt,30085308,30690040.html

    Seit 2008 ist Appel Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, so viel verdient wie im vergangenen Jahr hat er allerdings noch nie: 9,59 Millionen Euro bedeuten ein Plus von satten 22 Prozent und Platz 3 im Ranking der bestbezahlten Dax-Manager.
    http://www.horizont.net/marketing/charts/Manager-Gehaelter-Das-sind-die-zehn-Topverdiener-im-Dax-133576

    Aktuelle Zahlen:
    Der Deutschen Post haben Fortschritte bei der Sanierung ihrer kriselnden Frachtsparte und das boomende Express-Geschäft ein deutliches Gewinnplus beschert. Rückenwind gibt den Bonnern auch die Erhöhung des Briefportos in Deutschland zu Jahresbeginn. „Wir hatten einen guten Start in das laufende Jahr“, bilanzierte Konzernchef Frank Appel am Mittwoch.

    „Mit einem Ebit von 873 Millionen Euro haben wir das beste erste Quartal in unserer Unternehmensgeschichte verzeichnet.“ Man sei „voll auf Kurs, unsere Ziele für 2016 zu erreichen“. Appel will die Erträge im laufenden Jahr um mindestens eine Milliarde Euro steigern, der operative Gewinn soll auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro steigen nach 2,41 Milliarden Euro im Vorjahr.
    http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/deutsche-post-paket-und-expressboom-befluegelt-das-geschaeft/13578410.html

    Und welche Folgen hat das gesellschaftlich?
    Das kann man sich ansehen in dem Traumlaund der „Freien Martkwirtschaft“:
    Armut in den USA:
    Ein Leben im Dispo

    Die Armut nimmt zu. Fast die Hälfte aller Bürger kann sich eine Autoreparatur von 400 Dollar nicht leisten.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/armut-usa-kredite-schulden-ersparnisse

    Und von was für einem das sozialistischen Arbeiterparadies redest du?
    Die Staaten des Ostblocks waren ja nicht in der Hand der Arbeiter, sondern in der von Parteifunktionären. Die hatten mit den Interessen der Arbeiter nicht so viel am Hut. Die polnischen Arbeiter verliehen aber mit massiven Streikwellen 1970 ihrem Forderungen Nachdruck. Die Behörden reagierten mit einem Einsatz von Polizei und Militär, in dessen Verlauf offiziell 45 Menschen ihr Leben verloren. Tatsächlich war die Zahl der Opfer etwa doppelt so hoch. Verletzt wurden bei den Einsätzen mehr als tausend Personen.

    Es werden sich wohl nicht so viele nach einer Rückkehr in den Scheißstalinismus sehnen. Aber fest steht auch, daß es im Ostblock Repression und einen trist wirkenden Alltag gegeben haben mag, die für den Großteil der Menschen aber weniger schlimm waren, als das, was nach dem Einzug der „Freien Marktwirtschaft“ zur Normalität wurde: Der Verlust aller Sicherheiten, die Ausbreitung extremer Armut bei gleichzeitig obzönem Reichtum einiger weniger, der Ausbreitung von Rechtsradikalismus, der Korruptien und der wachsenden Macht der Oligarchen und der Mafia und der Ausbreitung der Gewalt bis hin zum Bürgerkrieg (Ukraine)?

    Ist das die neue Zeit, die du dir herbeiwünscht?

    Ach Postler, ich glaube, du hast schlichtweg keine Ahnung, wovon du laberst.

  3. Postfrosch sagt:

    Echt super geschrieben und ich denke wenn der Ak“Postler“ jetzt noch Wind in seinen Segeln sieht ist dem nicht mehr zu helfen.Laufe ins verderben “ Postler“……lauf.

  4. Postler sagt:

    Eigentlich wollte ich mich an der Diskussion in diesem Blog nicht mehr beteiligen. Das Niveau eines Hansi Matthöfer ist mir einfach zu blöd. Auch gibt King Kurt keine wirklich neuen Erkenntnisse von sich, sondern wiederholt nur uralte Gewerkschaftsforderungen, die jedes Unternehmen in den Ruin treiben würden.
    Hier werden willkürlich volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Themen vermischt. Wenn ich gegen Subunternehmertum bin, muss ich hier eine rechtliche Lösung für alle Unternehmen finden. Ich kann hier nicht auf Einzelne Firmen gehen. Ich habe in dem sehr ausfühlichen Statement auch keinen einzigen Ansatz gefunden, wie King Kurt die Post erfolgreich in die Zukunft führen will. Ich mache nun mal folgendes Szenario auf: Wir erfüllen alle Forderungen von King Kurt. Wir nehmen alle Fremdvergaben zurück (Fahrer, Paketzusteller, Reinigungskräfte usw.), zahlen höhere Löhne, nehmen die Arbeitsnormen zurück.
    Ergebniss: Das Unternehmen gerät in tiefrote Zahlen. Wir können im Paketbereich keine neuen Verteilzentren mehr bauen, es gibt keine neuen Fahrzeuge mehr, wir müssen die Preise deulich anheben, Brief- und Paketmengen wandern zur Konkurrenz, der bestehende Ratioschutz ist nicht mehr finanzierbar, es kommt zu betriebsbedingten Kündigungen, aufgrund des niedrigen Aktienkurses droht die Übernahme durch ein Konkurrenzunternehmen. Wollen wir das wirlich?
    Das gute Ergebis des 1. Quartals resultiert im Wesentlichen aus der deutlichen Portoerhöhung, aus niedrigen Rohstoffpreisen und aus günstigen Zinsen. Diese Effekte halten aber nicht ewig.

    • Postfrosch sagt:

      Da war und ist wohl jemand PEP-Experte.Die Post steht seid Jahren gut da und das auch mit höheren Löhnen.Oben in Tower werden Millionen verteilt und Aktien zurückgekauft weil man nicht weiß wohin mit der Kohle und weil,s noch nicht reicht machen wir aus dem besten AG der Welt ne Dumpingbude.Mahlzeit.Deine Kommentare werd ich ab jetzt eher ignorieren weil,s sinnlos ist.

    • King Kurt sagt:

      Lieber Postler,

      jeder Arbeitgeber wünscht sich Lohnsklaven mit einem Weltbild, wie du es hast. Du leidest mit dem Ausbeuter, wenn sein Profit nicht hoch genug ist.

      Und deine Behauptung, ich würde „Gewerkschaftsforderungen“ wiederholen, ist schon komisch. Ich betrachte die Gewerkschaften, die wir haben, als verlängerten Arm der Wirtschaft. Verdi hat den Streik abgebrochen, damit DHL Delivery mit seinen Dumpinglöhnen durchgesetzt werden können.

      Und dein Geblubber neoliberaler Floskeln, ist schon tragisch. Wenn wir nicht noch härter für noch weniger Kohle arbeiten, dann schluckt uns ein noch schlimmerer Ausbeuter. Alles wird nur noch von „den Märkten“ regiert. Es gibt weder Politik, noch einen Gegendruck von unten. So einen Gegendruck nennt man Klassenkampf. Ich weiß, lieber Postler, davon willst du nichts hören. Du hast dich für den neoliberalen Weg entschieden und der führt direkt in die Sklaverei.

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