AMAZON will eigenen Zustelldienst

Die gesamte Logistikbranche ist ein Experimentierfeld für neue Formen der Ausbeutung. Vieles scheint schwer verständlich und einiges mag kompliziert sein, doch läuft es im Wesentlichen auf eines hinaus: Es soll profitabler gearbeitet werden.

Und es bedeutet, daß die Beschäftigten den Preis bezahlen. Die „Einsparungen“ gehen auf ihre Kosten. Sie bedeuten erhöhte Flexibilisierung, Arbeitsverdichtung und Lohnsenkung. Durchgesetzt wird es mit stets den gleichen Argumenten, man müsse „mit der Zeit gehen“, „der Verbraucher erwartet das“, man müsse „konkurrenzfähig bleiben“. Die Belegschaften werden dabei immer weiter aufgesplittet und die Vereinzelung der Mitarbeiter ist eine Strategie dieser Firmenpolitik. DHL Delivery ist ja auch nur eine Abspaltung mit einer schlechter bezahlten Belegschaft für die gleiche Arbeit. Und das dürfte auch der Gedanke sein, den AMAZON zu seinem aktuellen Schritt treibt: Das geht noch billiger!

Der Onlinehändler Amazon schreckt die deutsche Paketbranche auf. Der mit Abstand größte Paketversender des Landes will in Zukunft einen Teil seiner Zustellungen selbst organisieren – und damit die Paketdienste DHL, DPD oder Hermes umgehen.(…)

Amazon wolle Flexibilität gewinnen, um neue Services wie die Zustellung am Tag der Bestellung anbieten zu können. Deutschland ist für dieses Geschäft besonders attraktiv: Der Paketmarkt zählt mit rund 2,7 Milliarden Paket- und Kuriersendungen im Jahr 2014 zu den drei größten in Europa. Wichtiger noch ist das hohe Wachstum von knapp fünf Prozent. Seit Jahren schon sorgt der Onlinehandel für die größte Dynamik in der Zustellbranche.

Doch worin die Absicht Amazons auf längere Sicht liegt, ist wenig transparent. Tatsache ist, dass der Onlinehändler keine eigene Fahrzeugflotte anschaffen und auf Zustelltouren schicken will. Auch werden derzeit keine Paketfahrer eingestellt. Stattdessen nutzt Amazon regionale und mittelständische Firmen wie die Gesellschaft Stadtbote.

WELT

Es sieht so aus, als sollte das untere Segment der sowieso skandalumwitterten KEP Branche weiter ausgebaut werden. Der Bereich, wo Leute mit ihren Privatwagen herumfahren, die Scheinselbstständigkeit grassiert und jenseits aller Regelungen (wie Mindestlohn, Arbeitszeitgesetz oder Lenk- und Ruhezeiten) gearbeitet wird.

Dieser Beitrag wurde unter Intro veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu AMAZON will eigenen Zustelldienst

  1. Nachtrag: Gerade mit einem Bremer DHL Kollegen geredet. Das dortige DHL Verteilzentrum arbeitet zu einem Großteil für AMAZON. Jetzt hat AMAZON die Aufträge heruntergefahren. In dem Bremer Verteilzentrum wurde die Belegschaft um rund die Hälfte ausgedünnt. Wurde bei AMAZON gestreikt, mußte bei DHL mehr gearbeitet werden.

    Vor kurzem auch mit einem AMAZON Kollegen gequatscht. Die merkten, daß, immer wenn sie streiken, andere Niederlassungen ihre Aufträge übernehmen müssen. Eine besondere Rolle spielt hierbei Polen (Breslau und Posen). Die Arbeitsbedingungen dort sind sowieso himmelschreiend. AMAZON tönt großkotzig: „Wir denken nicht in Landesgrenzen„. Die AMAZON Kollegen sind aber nicht blöd und haben auch ihr Denken über nationale Grenzen hinweg ausgeweitet und Kontakte zu Kollegen in anderen Ländern geknüpft. Nach Polen haben sie die besten Kontakte. Man trifft sich regelmäßig. In Polen arbeitet man noch daran eigene Widerstandsstrukturen aufzubauen. Mit ihren begrenzten Möglichkeiten haben sie bei dem Streik der deutschen Kollegen, aus Solidaritat in einem Bummelstreik extra langsam gearbeitet. Ein anderes Mal haben sie den Feueralarm ausglöst und die gesamte Halle mußte geräumt werden…

  2. Es habe derweil schönes Infomaterial über die grenzüberschreitenden Aktivitäten von AMAZON Kollegen gefunden:

    Im September 2015 trafen sich Lagerarbeiter_innen aus Polen und der BRD im polnischen Poznań, um zu beratschlagen, wie sie sich gemeinsam gegen ihren Arbeitgeber Amazon zur Wehr setzen können.

    Ein Video.

    Am Wochenende vom 18. bis 20. Februar 2016 trafen sich erneut Amazon Arbeiter_innen und Unterstützer_innen aus Polen und Deutschland, um gemeinsamen Widerstand gegen Amazon zu planen.

    Weitere Infos.

  3. Seit Montag streiken sie wieder bei Amazon

    Anmerkung:
    Außerdem fahren einige zusammen nach Polen, wo sie gemeinsam mit KollegInnen aus Leipzig und Polen Aktionen bei Amazon in Wroclav machen werden.

  4. Bei DHL wundert man sich über die Friedhofsruhe angesichts der Zustände.
    Bei AMAZON kriegt man zumindest den Hintern hoch und legt in schöner Regelmäßgkeit die Arbeit nieder und gibt keine Ruhe:

    Streiks gegen Arbeitsbedingungen bei Amazon (April 2016)

    Wieder Streiks bei Amazon (Mai 2016):

    Amazon – Streik in Bad Hersfeld (Juni 2016)

    Streik statt Schnäppchen (Juli 2016)

    Die Beschäftigten warten nicht darauf, daß Verdi etwas tut. Es ist ein Kreis unzufriedener, der innerhalb der Niederlassung die Proteste organisiert und Verdi kann da kaum nein sagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.