DHL Streik in Bayern?

Müssen wir neidisch nach Bayern blicken? Es wird von Streikvorbereitungen in der Vorweihnachtszeit berichtet.

 

Mit großen Schritten bewegen wir uns auf Weihnachten zu. Viele Händler haben ihre Vorbereitungen für die wichtigste Zeit des Jahres längst abgeschlossen oder sind in den letzten Zügen. Doch in den vergangenen Wochen lief es stellenweise nicht rund: Anscheinend hatte die Deutsche Post DHL in Bayern erhebliche Schwierigkeiten, die Paketberge abzuarbeiten und die Sendungen zuzustellen. Auch nahende Tarifverhandlungen könnten für Ärger sorgen und im schlimmsten Fall sogar in einer neuen Streikwelle enden.

DHL Pakete

Tarifverhandlungen: Verdi bereitet Streiks in Bayern vor

In wenigen Tagen, heißt am 17. November 2016, gehen die Tarifverhandlungen zwischen der DHL und Verdi in Bayern in die nächste Runde. Der Gewerkschaft stößt auf, dass der Konzern 2015 das Tochterunternehmen DHL Delivery GmbH gegründet hat. Sie wirft der Deutschen Post nach Angaben von Merkur vor, dadurch mit Blick auf die Paketboten eine massive Fluktuation ausgelöst zu haben. Zudem, so der Vorwurf, sei die Konzern-Tochter gegründet worden, um Mitarbeiter nach dem günstigeren Speditions-Tarif bezahlen zu können und nicht den höheren Post-Tarif zugrunde legen zu müssen.

Falls die Tarifverhandlungen scheitern, stehen der Region im so wichtigen Weihnachtsgeschäft wohl Streiks bevor, um den Druck auf die Deutsche Post zu erhöhen. Dass dies ein durchaus wahrscheinliches Szenario ist, zeigen auch die Maßnahmen der örtlichen Gewerkschaft. Wie uns Anton Hirtreiter, Landesbezirksfachbereichsleiter der Verdi in Bayern, nämlich mitteilte, wurden die Vorbereitungen für mögliche Streiks bereits eingeleitet. Diese sollen sich – wird in den Verhandlungen keine Einigung erzielt – auf ganz Bayern erstrecken. Die Planung sieht derweil vor, dass sich die möglichen Streiks auf die verschiedenen Bereiche der Logistik, also Spedition, Auslieferung etc., erstrecken und auch andere Paketdienstleister wie Hermes oder UPS erfassen.

Massive Zustellprobleme sorgten in München für Ärger

Die anstehenden Tarifverhandlungen mit Verdi sind nicht die einzige Baustelle der DHL im bayerischen Raum, denn in den vergangenen Wochen soll die Deutsche Post hier erhebliche Probleme gehabt haben. Wie verschiedene Medien berichten, hatte das Unternehmen Ende Oktober massive Probleme bei der Lieferung an die Endkunden. „Die Rede ist von 3600 Paketen binnen einer Woche allein im Raum München“, schreibt OVB online.

Erhebliche Engpässe bei den Zustellern hätten demnach dazu geführt, dass die Massen an Paketen nicht hätten bewältigt werden können. Aus diesem Grund habe die Deutsche Post DHL vielen Empfängern ohne echten Zustellversuch, d. h. ohne zu klingeln, eine Benachrichtigungskarte zukommen lassen. Die Pakete selbst seien täglich und „rollbehälterweise“ im Zuge von Sonderfahrten zur Kundenabholung in Post-Filialen gebracht worden. Dies habe außerdem zur Folge gehabt, dass auch die entsprechenden Filialen „voll ausgelastet“ waren.

Aufsichtsbehörde prüft den Fall, DHL bessert nach

Wie Merkur.de erfahren haben will, ist dieses Vorgehen auch bei den Aufsichtsbehörden nicht unbemerkt geblieben. Der Konzern sei „inzwischen ins Visier der zuständigen Aufsichtsbehörde in Bonn geraten“. Wie ein Sprecher mitteilte, hat die Bundesnetzagentur Hinweise über „Unregelmäßigkeiten bei der Paketzustellung durch die Deutsche Post DHL“ in München erhalten.

Wie uns Anton Hirtreiter von Verdi weiter mitteilte, habe man bei der DHL jedoch den Weckruf gehört und ein recht umfassendes Maßnahmenpaket zur Optimierung ergriffen. So seien beispielsweise zusätzliche Fahrer bzw. Beifahrer zur Verstärkung eingesetzt und konkrete Qualitätsstandards gesetzt worden, die erfüllt werden müssen. Bereits die DHL hatte den Fall München laut Merkur als „außergewöhnliche Situation“ bezeichnet, die man bewältigen musste. Auch Hirtreiter zeigt sich hoffnungsvoll, dass es sich um eine einmalige Angelegenheit gehandelt habe.

Wäre der Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen genau so hoffnungsvoll, würden viele Händler wahrscheinlich sorgenfreien auf die kommenden Wochen blicken. Ob es kurz vor Weihnachten noch zu Streiks – und somit zu unzufriedenen Händlern und Kunden – kommen wird, zeigt sich in wenigen Tagen. Wie gravierend die Folgen eines solchen Streiks sein können, zeigt ein Rückblick auf den Sommer 2015. Damals legte ein weitreichender Streik bei der DHL wochenlang die Zustellung der Pakete flächendeckend lahm. Eine Studie des Händlerbundes zeigte, dass zahlreiche Online-Händler damals betroffen waren und teils schwere Umsatzeinbußen verzeichnen mussten. Es bleibt also zu hoffen, dass die Verhandlungen schnell und in beiderseitigem Einvernehmen verlaufen und die Weihnachtsgeschäfte in Bayern und auch bundesweit reibungslos über die Bühne gehen.

onlinehaendler-news.de

Wir möchten vor zu großen Hoffnungen warnen und aufrufen, das Thema unabhängig zu diskutieren. Wir haben schon einmal erlebt, wie ein Streik, der viel hätte bewirken können, von Verdi vor die Wand gefahren wurde. Und in Bremen wurde von Verdi verhindert, daß die DHL Home Delivery Kollegen vom LC Bremen für ihre Jobs kämpfen. Sie wurden mit einem Miesen Deal abgespeist und ein Arbeitskampf ist von der Gewerkschaft noch nicht einmal im Gespräch gewesen. Darüber wurde auch in diesem Blog berichtet.

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