Unbezahlt bei DHL

Der Druck auf die Arbeitsbedingungen von dem börsennotierten Konzern ist allgegenwärtig. Die Blüten, die es treibt, sind skandalös. In Kiel gab es mehrere Fälle, in denen man Paketzusteller unbezahlt arbeiten ließ, um den Job „kennenzulernen“.

Man nutzte die Unsicherheit von Migranten aus, die sich mit dem deutschen Arbeitsrecht nicht auskennen.

Ein Interview:

DHL kann sich die Hände in Unschuld waschen und allein den Subunternehmer als Verantwortlichen hinstellen. Schuld ist jedoch das System des Outsourcings, das abgeschafft gehört. Kein Outsorcing! Keine Fremdvergaben. Alle Arbeit in einem Unternehmen zu einheitlichen Bedingungen!

Es ist auch verwunderlich, daß Verdi von solchen Machenschaften bei der Post nichts mit mitbekommen hat. Interessiert sich die Gewerkschaft nur noch für ihre zahlenden Mitglieder?

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2 Kommentare zu Unbezahlt bei DHL

  1. Was da bei DHL in dem Interview beschrieben wurde, ist ja kein Aurutscher, kein Zufallstreffer.
    Die in dem Video genannte Firma HFL (Hamburger Fahrzeug- und Transportlogistik GmbH) ist bereits vor Jahren negativ aufgefallen. Nachdem der NDR die Machenschaften in der heute noch recht bekannten Reportage „Die Paketsklaven“ aufdeckte, erklärte DHL bereits 2012, sich von HFL zu trennen. Lange hat es scheinbar nicht vorgehalten.

    Auf die NDR-Recherchen reagierte Ende 2011 der Logistikkonzern Deutsche Post DHL und versprach kurzfristig Änderungen.
    Nun hat die Post den Vertrag mit der Hamburger Fahrzeug- und Transportlogistik (HFL) zum 31.3.2012 gekündigt, wie Post-Sprecher Jörg Koens dem NDR bestätigte.

    http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Paketsklaven-Post-zieht-nun-doch-Reissleine-,paketsklaven161.html

    Undercover als Paketsklave

    Nach der Ausstrahlung unserer Dokumentation „Die Paketsklaven“ und den erneuten Recherchen für die Dokumentation „45 Min: Immer noch ausgebeutet – Die Paketsklaven“ hat der der Logistik-Konzern Deutsche Post DHL seinem Subunternehmen fristgerecht zum 31. März 2012 die Hamburger Zustellbezirke gekündigt.

    Damit reagiert die Post auf unsere Recherchen. Der Konzern versprach bereits nach Ausstrahlung des Undercoverfilmes „45 Min – Die Paketsklaven“, die Arbeitsbedingungen bei diesem Subunternehmen verbessern zu wollen. In der gestern ausgestrahlten Folge belegten die Recherchen, dass es keine Verbesserungen gegeben hat. Im Gegenteil: Das DHL-Subunternehmen TEW/HFL hat sogar einen Mitarbeiter entlassen, weil er sich auf einer Informationsveranstaltung von ver.di über seine Rechte informieren wollte. Nun jedoch, nachdem 45 Min in einem weiteren Film über die Zustände in der Paketbranche berichtet hat, will sich der Logistik-Konzern von HFL trennen. Allerdings gilt die Kündigung, nach NDR Informationen, nur für die Hamburger Zustellbezirke. Der Subunternehmer ist jedoch auch in Kiel, Bremen und Lübeck für die Post DHL unterwegs. (Stand: 14.02.2012 14:11)

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/rueckschau/Deutsche-Post-DHL-trennt-sich-von-Subunternehmen,paketsklaven101.html

    Im Klartext bedeutet es:
    DHL kann sich nicht mehr herausreden. HFL (Hamburger Fahrzeug- und Transportlogistik) ist als Ausbeuter, der mit illegalen Methoden arbeitet, bekannt. Unter öffentlichem Druck hat DHL sich von HFL getrennt. Als das öffentliche Interesse abgeebbt schien, waren menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse und illegales Vorgehen kein Hinderungsgurnd mehr HFL erneut unter vertrag zu nehmen.

    Und überhaupt ist das keine Ausnahme. Auch in anderen Bundesländern wird ähnlich gearbeitet.

    Schnell & günstig

    Das Geschäft mit den Päckchen

    Weihnachtszeit ist Paketzeit. Und damit läuft auch das Räderwerk der Zustellbranche auf Hochtouren. Immer öfter greifen die großen Betriebe dabei auch auf Subunternehmen zurück. Und deren Arbeitsbedingungen sind – für hiesige Verhältnisse – manchmal haarsträubend.

    Eine kleine Sackgasse am Rand des großen Briefzentrums im Frankfurter Gutleutviertel. Am Straßenrand stehen fünf weiße FIAT-Transporter. Die Fenster sind mit silbernen Iso-Matten verhängt. Vor einem der Transporter steht ein Mann mit Fusselbart und Fellmütze. Er reckt und streckt sich – gerade hat er noch geschlafen – auf einer dünnen Matratze quer auf den Vordersitzen seines Transporters. Zwar hat er eine Standheizung im Auto, aber ein bisschen durchgefroren sieht er trotzdem aus. Der Mann heißt Karol, sagt er, kommt aus Polen und fährt seit drei Jahren Briefe und Pakete quer durch Deutschland.

    900 Euro für vier Wochen Arbeit

    „Heute lade ich hier Post im Frankfurter Briefzentrum, fahre nach Erfurt und zurück“, erzählt er. Karol fährt nachts. So gegen vier Uhr am nächsten Morgen will er zurück sein. Dann kann er wieder in der Sackgasse parken und auf den Vordersitzen seines Transporters schlafen. Formal ist er selbstständig, sagt er, er hat ein Gewerbe als Fahrer angemeldet. Bezahlt wird er pro Tour – sein Einkommen ist für deutsche Verhältnisse bescheiden: „Etwa 900 Euro in vier Wochen.“ Es könnte mehr sein, aber es sei auf jeden Fall viel mehr als in Polen. Dort könne er als Fahrer nicht mal ein Drittel davon verdienen.

    Postfahrer als Sub-Sub-Subunternehmer

    An Karols Nachtarbeit auf deutschen Straßen verdient aber nicht nur er selbst. Er steht, so schildert er es, am Ende einer Kette von insgesamt vier Auftraggebern. Ganz oben die Deutsche Post DHL Gruppe. Die beauftragt die Offenbacher Transa Spedition, die wiederum das Unternehmen Gap in Polen, und das gibt den Auftrag schließlich einem polnischen Familienunternehmen, das auch Karol beschäftigt. Karols Darstellung ist plausibel, denn Transa bestätigt, mit Gap zusammenzuarbeiten. Gap selbst hat sich auf Anfrage nicht geäußert.

    Postfahrer als Sub-Sub-Sub-Subunternehmer – dieses Geschäftsmodell kennt auch Ivan Ivanov. Er berät Wanderarbeiter in Frankfurt: „Wir haben auch öfters in der Beratung ähnliche Konstellationen gehabt. Das heißt: Ein großes Unternehmen vergibt den Auftrag weiter, und so wird eine Kette gebildet von mehreren Unternehmen. Und meistens ist das letzte Glied in einer solchen Kette der Verlierer“, sagt er.

    Mindestlohn-Regelung greift nicht

    Angesprochen auf Karols Arbeitsbedingungen und seinen kargen Lohn, verweisen sowohl die Deutsche Post als auch Transa auf ihre Qualitätsstandards. Alle beauftragten Subunternehmen müssten den Mindestlohn bezahlen, das sei vertraglich vereinbart. Allerdings bringe diese Vertragsklausel in diesem Fall nicht viel, sagt Ivanov. Denn Karol arbeitet nach eigenen Angaben als selbstständiger Fahrer: „Damit ist eigentlich der direkte Arbeitsgeber fein aus der Sache raus. Da gilt zum Beispiel auch der gesetzliche Mindestlohn nicht, der eigentlich für Arbeitnehmer in Deutschland gilt. Es gilt also sozusagen die Unternehmerfreiheit, die Vertragsfreiheit. Rein gesetzlich gesehen sind 900 Euro erst mal okay.“

    Wie viele Fahrer in Deutschland so wie Karol arbeiten, lässt sich schwer schätzen. Aber das Arbeiten mit Subunternehmen ist in der Branche gang und gäbe. Allein Transa spricht von rund 30.000 Unternehmen, mit denen man zusammenarbeite. Und da könne man auch nicht in jedem einzelnen Fall die Arbeitsbedingungen nachprüfen.

    http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47572&key=standard_document_62900354

  2. Die Arbeitsbedingungen von Paketzustellern werden in den Medien seit Jahren thematisiert. Hier eine aktuelle Reportage vom NDR:

    https://www.youtube.com/watch?v=AmRkuZXj9Q0&t=730s

    Das Problem ist, daß Mitleid nicht genügt. Ein solidarischer Widerstand tut not.

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